Lieber noch sparen oder jetzt bauen?
„Wenn wir noch zwei oder drei Jahre sparen, haben wir mehr Eigenkapital. Wäre es nicht besser, mit dem Hausbau noch zu warten?“ Diese Frage klingt zunächst völlig logisch. Mehr Eigenkapital kann eine Finanzierung erleichtern und die benötigte Kreditsumme reduzieren. Trotzdem lässt sich daraus nicht automatisch ableiten, dass Warten finanziell die bessere Entscheidung ist.
Die schnelle Antwort
Ob sich Warten lohnt, hängt nicht nur davon ab, wie viel Sie zusätzlich sparen können. Während Sie sparen, zahlen Sie möglicherweise weiter Miete. Gleichzeitig können sich Grundstückspreise, Baukosten, Förderbedingungen und vor allem Bauzinsen verändern – nach oben oder nach unten. Deshalb sollten Sie nicht „heute bauen“ mit „später mehr Eigenkapital“ vergleichen. Vergleichen Sie zwei komplette Szenarien.
Was bringt uns ein zusätzliches Jahr Sparen?
Nehmen Sie den Betrag, den Sie in zwölf Monaten tatsächlich zusätzlich zurücklegen können. Davon ziehen Sie nicht einfach Ihre Miete ab – denn wohnen müssen Sie schließlich in beiden Varianten. Viel interessanter ist die Frage, wie sich Ihre gesamte finanzielle Situation verändert. Wie hoch wäre Ihre Finanzierung heute? Wie hoch nach weiteren zwei Jahren Sparen? Welche Rate ergibt sich daraus? Und welche Kosten könnten sich bis dahin verändern? Eine seriöse Antwort gibt es deshalb erst, wenn beide Varianten durchgerechnet werden.
Und was machen die Bauzinsen?
Genau hier liegt das Problem jeder Prognose. Niemand kann Ihnen heute zuverlässig sagen, welchen Bauzins Banken in zwei Jahren verlangen werden. Wer nur deshalb wartet, weil er fest mit niedrigeren Zinsen rechnet, spekuliert auf eine zukünftige Zinsentwicklung. Das kann funktionieren. Es kann aber genauso anders kommen. Eins ist aber sicher, die Laufzeit Ihres Darlehens wird bis zum Rentenalter um 2 Jahre kürzer und damit wird die Rate schon für ein dann gleich hohes Darlehen, auf jeden Fall höher. Was wird erst bei höheren Preisen und steigenden Zinsen?
Mein Tipp aus der Hausbauberatung
Wenn Ihr Eigenkapital heute noch nicht reicht oder die monatliche Belastung zu hoch wäre, kann weiteres Sparen absolut sinnvoll sein. Wenn Ihr Bauvorhaben dagegen heute solide finanzierbar ist, würde ich eine Entscheidung nicht allein deshalb verschieben, weil die Finanzierung irgendwann vielleicht günstiger werden könnte.
Lassen Sie beide Varianten rechnen: Hausbau heute und Hausbau später. Dann entscheiden Sie mit Zahlen statt mit Vermutungen.
Kurz gefragt: Gibt es den perfekten Zeitpunkt zum Bauen?
Nein. Den erkennt man meist erst im Rückblick. Wichtiger ist, ob Grundstück, Gesamtkosten, Finanzierung und monatliche Belastung heute zu Ihrer persönlichen Situation passen.
Quellenbasis: Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei Immobilienfinanzierungen eine vorsichtige Gesamtkalkulation und einen finanziellen Puffer; auch mögliche Bereitstellungszinsen und Nachfinanzierungen gehören in die Betrachtung.





